Reaktionen auf den Pokalausschluss

Da ich meine Meinung zum Thema hier bereits ausführlich kundgetan habe, lasse ich heute mal andere zu Wort kommen. Doch bevor ich das tue, möchte ich kurz was zu St. Pauli sagen.

„Fußball ohne Gästefans … wie Elfmeter ohne Torwart“, so brachten es die Pauli-Fans mit einem Spruchband auf den Punkt. Doch nicht nur, dass man für unsere Mannschaft vor dem Spiel unsere Stadionhymne spielte(!) – im Anschluss gab es noch eine Überraschung: Der Vorstand erklärte, dass man die durch den Wegfall des Sicherheitsspiels gewonnenen 10.000 € Mehreinnahmen für Fanprojekte zur Verfügung stellen werden, und zwar halbe / halbe aufgeteilt zwischen Dresden und Hamburg. Ein Sponsor legte weitere 3000,- obendrauf, welche ebenfalls geteilt wurden, so dass sich Dynamo über unerwartete 6500 € freuen durfte.

Vielen Dank dafür, und viele Grüße an die Fans von St.Pauli, die es bei absolutem Sauwetter wohl vor allem in der Nordkurve ziemlich ungemütlich hatten, dafür aber mit einem Sieg ihrer Mannschaft belohnt wurden. Und wer weiß, vielleicht war dieses Spiel ja der Beginn einer wunderbaren Freundschaft …

Das sind die Bilder, die ich liebe!

Und jetzt zur Sache: Das Dresdner Fußballmuseum, dass einige ganz besonders seltene Stücke für das geplante DFB-Fußballmuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen wollte, kündigte die Zusammenarbeit. Geschäftsführer Jens Genschmar:

„Hiermit ziehe ich diese Bereitschaft in vollem Umfang zurück und erkläre mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres jegliche Zusammenarbeit mit der Stiftung DFB-Museum von meiner Seite für beendet. Dafür gibt es gute Gründe. Das gestrige Urteil des DFB-Schiedsgerichtes gegen die SG Dynamo Dresden und den damit verbundenen Ausschluss aus dem Pokalwettbewerb 2012/2013 wertet das Dresdner-Fußball-Museum als weiteren Höhepunkt einer langen Kette von Ungleichbehandlungen und Benachteiligungen der Vereine aus den neuen Ländern. Dies lässt sich aus Sicht des Dresdner-Fußball-Museums mit verschiedenen Beispielen seit 1990 begründen. Dazu gehören unter anderem der Punktabzug in der Saison 1993/94 und der Zwangsabstieg in der Saison 1994/95. Dem Dresdner-Fußball-Museum geht es hierbei nicht um die Strafen im Allgemeinen, sondern um das Strafmaß im Vergleich zu Vergehen anderer Vereine – besonders aus dem Gebiet der alten Bundesrepublik. Der Eindruck, hier werde mit zweierlei Maß gemessen, wird aus unserer Sicht nun bestätigt. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist für uns mit den Vertretern des DFB bis auf Weiteres nicht möglich…“

Und später gegenüber „derwesten.de“: „Ich kann doch nicht so tun, als wenn nichts gewesen wäre. Das Strafmaß für Dynamo ist völlig überzogen“

Eine schöne Reaktion ist dieses Spruchband beim Spiel Regensburg-Oberhausen. Und die Regensburger Fans würde nun wohl wirklich niemand als Dynamofreunde bezeichnen …

Meine Rede. Kurz und aufn Punkt. Danke Regensburg!

Ganz unerwartete Unterstützung erhielt Dynamo Dresden aus den Reihen des DFB selbst. Und nicht von irgendwem, nein, der Präsident des NOFV und DFB-Vizepräsident Rainer Milkoreit höchstpersönlich kritisierte das Urteil aufs deutlichste:

„Bei aller Wertschätzung für das Sportgericht: Ich halte die Entscheidung für überhart und überzogen. Der ökonomische Verlust könnte für Dynamo Dresden in die Millionen gehen.“

Und er geht sogar noch weiter:

„Ich gehe davon aus, dass der Verein dagegen vorgeht und bis zur letzten Patrone kämpft. Die Strafe ist nicht überschaubar und deswegen nicht angemessen.“

Wieviel mehr solcher Reaktionen hätte ich mir bereits vor dem Urteil gewünscht. Und wer hätte gedacht, dass einer aus der DFB-Spitze mir mal so aus dem Herzen spricht. Im Moment befürchte ich nämlich, dass Dynamo keinen Widerspruch einlegt, „um es nicht noch schlimmer zu machen“ oder so. Aber ich sehe es wie Milkoreit und sage: Kämpft, Jungs!
Kämpft, verdammt noch mal!

Dynamo – Aue

Damit es hier zur Abwechslung mal um Fußball geht, etwas verspätet ein paar Eindrücke vom Aue-Spiel.

Das Stadion war ausverkauft, die Stimmung gut. Nur die Fans aus Aue standen sich ein bisschen selbst im Weg, und ignorierten bis fast zur Halbzeit die Bitte des Stadionsprechers, sich doch mal so zu verteilen, dass der Rest der Mitgereisten auch noch in den Block kann. Naja.
Dafür hatten die am Ende zu jubeln – Aue gewann das Spiel verdient 2:1. Aber Spielberichte könnt ihr woanders lesen. Was ihr dagen auf gar keinen Fall woanders finden werdet, ist diese von mir beobachtete Szene:

“Denkst Du wirklich, dass ich es ihm sagen soll?”
“Klar Flori, das wird bestimmt lustig …”

“Ok, Junge. Du musst jetzt sehr stark sein.”
“Was zum Teufel … ?”

“Luke, ich bin Dein Vater …”
“Daddy?!”

Nach dieser schönen Szene noch ein paar Momentaufnahmen:

Sherrif Meyer und seine Pistoleros hatten das Spiel gut im Griff.

Ich habe es leider verpasst, mir nach dem Spiel die Zusammenfassung im TV anzusehen, deswegen kann ich jetzt nicht klugscheißen, was eventuelle Fehlentscheidungen des Schiedsrichters betrifft. Gerade aus Dresdner Sicht hätten sich viele bestimmt den einen oder anderen Freistoß mehr gewünscht. Aber Florian Meyer hat viel laufen lassen, und damit meiner Meinung nach Ruhe in ein Spiel gebracht, dass auch schnell hätte nicklig werden können. Außerdem ist mir aufgefallen, dass es außer den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbeschwerden nie wirklich Proteste gab – in der Regel ein Zeichen, dass der Schiri alles richtig gemacht hat.

Das Spiel war geprägt von vielen, teils energisch geführten Zweikämpfen.

Nach dem Freistoß ist vor dem Freistoß.

In diesem Sinne …

srtmxx

Dynamo und der DFB

Die Märchenstunde geht weiter

 

So. Sie haben’s tatsächlich getan. Der DFB-Pokal findet nächste Saison ohne Dynamo Dresden statt.

Ich gebe zu, dass ich Hoffnung hatte, Hoffnung, dass es am Ende vielleicht doch anders kommt – aber jetzt schäme ich mich für diese Naivität. Und ich habe eigentlich keine Lust, noch einmal auf diese Farce einzugehen. Zum Thema Bauernopfer ist bereits alles gesagt, (das Mittelalter ist tot, es lebe die Hexenverbrennung …), und wer es im bisherigen Gesprächsverlauf noch nicht geschafft hat, seine Augen aufzumachen und sein Gehirn zu benutzen, der wird es sich jetzt auch nicht mehr anders überlegen.

Damit bleibt mir eigentlich nur, ein paar Glückwünsche auszusprechen. Allen voran natürlich dem DFB zu seiner erfolgreichen Mittagsschlafunterbrechung, die, das haben wir gelernt, traditionell genutzt wird, um ein bisschen Politik zu machen. Warum man sich nun ausgerechnet angesichts dieses Spiels gezwungen sah, „Farbe zu bekennen“?
[switch - Peter Klöppel] Gab es vielleicht einen göttlichen Fingerzeig? Oder fuhren Männer mit Sonnenbrillen und Geldkoffern von Lampukistan nach Frankfurt? Hatte möglicherweise sogar der Stiefcousin von Krake Paul seine Finger im Spiel? [/switch - Peter Klöppel]
Die Antwort ist viel einfacher und wurde hier schon gegeben: Ein lauschiges Feuerchen dann und wann ist wichtig, um das Volk bei Laune zu halten. Und wenn sich das auch noch so schön einig ist wie in diesem Fall – um so besser …

Damit sind wir bei Glückwunschaspirant Nummer zwei, nämlich allen Medien, deren moderner, komplett unreflektierter copy/paste-Journalismus mit jeder neuen „Katastrophe“ neue Dimensionen erreicht. Um mal bei meiner Metapher zu bleiben: Nicht nur, dass durch diese Form der „Berichterstattung“ eine Menge Wind gemacht wird – das Zeug, auf dem dieser Mist gedruckt wird, liefert gleich noch ein hervorragendes Brennmaterial mit dazu. Gut gemacht.

Aber: wo eine Bürste ist, da gibt’s auch eine Schüssel … Ich gratuliere natürlich nicht nur allen populistischen Schaumschlägern, die in dieser Debatte mal wieder zur Höchstform aufgelaufen sind, um sich gegenseitig an Einfallslosigkeit und Dummheit zu überbieten, sondern auch all jenen, die deren Gewäsch kopfnickend zur Kenntnis genommen und weiterverbreitet haben, ohne auch nur eine einzige Gehirnzelle um Hilfe gebeten zu haben. Gratulation. Ihr habt gewonnen. Ihr seid das Volk. Yeah …

Meine ganz besonderen Glückwünsche aber gehen an die Rhetorikspezialisten der Dortmunder Polizei, die es, (ein Schelm, wer hier denken könnte: in Zusammenarbeit mit dem DFB …), geschafft haben, erstaunliches zu leisten: Am besten gefällt mir persönlich das „Blutbad“, dass stattgefunden „hätte“, „wenn wir (die Polizei) härtere Maßnahmen getroffen hätten.“ [sic!]

(Wenn ich mich vor ein paar Jahren entschieden hätte, bei meinen dämlichen Nachbarn, statt ihnen einen Klingelstreich zu spielen, zu härteren Maßnahmen zu greifen, dann hätte es da womöglich auch ein Blutbad gegeben. Also warum zum Teufel verhaftet die niemand?)

Ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind die „bürgerkriegsähnlichen Zustände“, die man habe „vermeiden wollen“. Es liegt auf der Hand, welche Teile dieses Konjunktiv-Nonsens sich in den Gehörgängen der Republik festsetzen werden. Und das Volk freut sich, weil „endlich durchgegriffen wird”. Ganz großes Kino …

Für alle, die glauben, dass hier etwas gutes geschehen ist, dass der Deutsche Fußball Bund in bester Absicht gehandelt hat, oder dass sich, (abgesehen von der finanziellen Situation eines eh schon klammen Vereins), jetzt auch nur irgendetwas ändern wird in Fußballdeutschland – ich habe eine traurige Nachricht für euch:

Es geht um den Weihnachtsmann. Wisst ihr Kinder, es gibt ihn gar nicht. In Wirklichkeit ist das nämlich euer dicker Nachbar, der sich verkleidet hat. Und manchmal, nach dem dritten Schnaps und wenn der Papa grad nicht hinsieht, fasst er eurer Mama an den Arsch …

Willkommen im Leben.

srtmxx

Des Kaisers neue Kleider

oder: Der DFB baut sich ein Sommermärchen

 

Als mich die katastrophalen Neuigkeiten vom drohenden Pokalausschluß Dresdens erreichten, eröffnete ich spontan einen Hilferuf in einem Fußball-Forum, überzeugt davon, dass diese Forderung des DFB auch überregional auf großes Unverständnis stoßen würde. Tage voller Bauchschmerzen, Frust und einer selten erlebten Wut später weiß ich es besser …

Kaum dreißig Sekunden nach der Eröffnung des Threads fragte mich ein Freund, was ich denn denke, wie lange man sich das noch mit ansehen solle. Was mit ansehen?, fragte ich mich spontan. Das selbstgefällige Am-Stuhl-festhalten der DFB-Oberen, die nur dann zu ungeahnten Höchstleistungen auflaufen, wenn es um ihren Job geht? Von denen man nur etwas hört, wenn interne Ränkeschmiede es bis in die Zeitung schaffen oder mal wieder ein paar Strafen ausgesprochen werden müssen?

Oder meinte er die Presse, die es in einem demokratischen Staat irgendwie geschafft hat, sich selbst gleichzuschalten? Medien, die sich vor allem in ihren Internetpräsenzen höchstens noch im Layout voneinander abgrenzen, und deren einziger Wettbewerb darin zu bestehen scheint, „das aktuelle Thema“ noch sensationsgeiler auszuschlachten als die anderen? Wobei völlig egal ist, ob es gerade um Vogelgrippe geht oder um Fußball – die andauernde Effekthascherei kennt keine Gnade, und die Hysterie des ZDF ist von der eines RTL nicht mehr zu unterscheiden …

Ich vermute aber mal, dass mein Freund was anderes im Sinn hatte, als er seine Frage stellte. Ich denke, er spielte auf die 90 Festnahmen beim letzten Ligaspiel an. Halt, Moment mal. 90 Festnahmen? Das war gar nicht bei Dynamo, das war bei München gegen Nürnberg. Irgendwas mitbekommen? Nein? Kein Wunder, in den Zeitungen stand nichts, und im Fernsehen war auch nichts zu hören. Und warum nicht? Weils keine Sau interessiert!

Stellvertretend für die auf diesen Hinweis fällige Reaktion zitier ich mal einen User, der ziemlich genervt davon ist, „dass die Dynamos jetzt so tun, als würde es nur um die Pyros in Dortmund gehen.“ Dies wiederum steht exemplarisch für das im Moment in jeder Diskussion zum Thema mantraartig wiederholte „Dynamo fällt ja dauernd auf“. Ok, machen wir den Test. Aus dem Stehgreif bitte, das letzte Dynamo-Ereignis aus dieser Saison …

Ich weiß eins: Dresden gegen 1860. Dieses Spiel war der SZ-online gleich zwei böse Artikel wert, und das vor dem Spiel! Unverantwortlich sei es von der Münchner Polizei, dieses Spiel ausgerechnet an diesem Wochenende überhaupt zuzulassen. Schließlich sei absolut klar, was passieren muss: Die Dynamos machen unser Oktoberfest kaputt …
Der Rest ist Geschichte: 18000 Fans bei einem Zweitliga-Auswärtsspiel, und sonst (leider) nichts. Dasselbe gilt für die anderen prognostizierten Problemspiele gegen unsere speziellen Freunde aus Berlin und Frankfurt. Das einzige was man dazu aus jedem Spielbericht herauslesen kann, ist die Bombenstimmung im Stadion, natürlich auch wegen der zahlreich angereisten Auswärtsfans. Respekt an dieser Stelle!

Und weil es hier hervorragend passt, ein anderes Argument, dass ich inzwischen oft gehört bzw. gelesen habe: Wir wollen nur schönreden …
Nun, was mich betrifft, ich will nichts schönreden, ich will nur ernsthaft reden, bzw., angesichts der aktuellen Situation eigentlich richtiger: überhaupt reden. Und dazu gehört auch das: Rassismus kotzt mich an! Gewalt kotzt mich an! Und Typen, die mit Pyros werfen und Spieler angreifen, egal mit was, kotzen mich so sehr an, das kann sich kein noch so schlimmer Dynamo-Gegner auch nur vorstellen!

Stadionverbot? Lebenslang und bundesweit? Gerne! Sofort! Wenn jetzt noch einer ´ne Idee hat, wie man das technisch umsetzen kann? Wartet mal, wäre das nicht eine schöne Aufgabe für den DFB? Mmh, nein, ich glaube nicht. Könnte ja passieren, dass die Herren ihr zweites Frühstück verpassen …
Fakt ist: Beim Spiel in Dortmund ist einiges an Scheiße gelaufen. Aber das was gelaufen ist, steht in keiner Relation zur Mediendarstellung, nicht einmal annähernd, ebenso wenig wie zur geforderten Strafe. Mal ehrlich: wem drängt sich hier nicht der Eindruck auf, dass man da nur auf was gewartet hat?

Dynamo will ebenfalls nichts schönreden, alles worum man sich derzeit verzweifelt bemüht, ist Relativierung. Und dazu gehört es eben auch, zu fragen: Wieso wird bei Pyros in Köln von gutgelauntem Karneval gesprochen, während, Steinbrecher und Poschmann sei Dank, angesichts der Pyros in Dortmund der Untergang des Abendlandes heraufbeschworen wird?
Wieso halten sich 15 Festnahmen zwei Wochen lang in den Nachrichten, während man von 90 Festnahmen bei anderen Spielen noch nicht einmal etwas zu hören bekommt?

Fakt ist: Der Fußball hat ein Problem. Und zwar überall. Es ist völlig egal, ob es um die berüchtigten Stänkerfritzen des FCB geht oder die Krawallos vom FCK, um mal nicht immer nur von St. Pauli zu reden oder auf den selbsternannten Randalemeister abzuschieben. Ich bin mir sicher, dass dem DFB Statistiken vorliegen, aus denen ersichtlich ist, dass, was die Theater-Ag´s betrifft, die SGD allenfalls irgendwo im Mittelfeld angesiedelt ist.
Aber was soll man machen? Etwas gegen Bayern unternehmen? Jaa, vor Lachen …
Gegen Frankfurt? Die Heimat des DFB? Schönes Armutszeugnis.

Auftritt Dynamo. Wir sind nicht wichtig, wir haben kein Geld, und keiner kann uns leiden. Sind wir daran selber schuld? Zum Teil, ja. Und damit sind wir bei einem anderem wichtigen Thema: Der Verantwortlichkeit des Vereins. Eine der häufigsten derzeit wiederholten Parolen lautet: „Dann muss der Verein eben was unternehmen“. Eine herrlich leere Worthülse, die auch andere Vereine lange Gesichter machen lässt. Was denn bitteschön? Und was kann eigentlich der Verein dafür, wenn irgendwelche Idioten nicht klar sehen?

Der Witz an der Sache ist, dass angesichts dieser Thematik eine Bestrafung des Vereins nicht nur „trotzdem“ unfair wäre, sondern „gerade“, denn Dynamo Dresden hat was getan! Und macht weiter! Wie hat Dynamo denn reagiert auf die Vorfälle in Dortmund? Mit der in der Bundesliga-Geschichte einmaligen Aktion, die eigenen Fans vom nächsten Auswärtsspiel, für das noch keine Karten verkauft waren, auszuschließen, unter der Androhung, das fortzusetzen, wenn es bei irgendeinem der nächsten Spiele zu irgendwelchen Problemen kommt!

Interessiert das irgendjemanden? Nein. Wenn sich die Phrasendrescher erst mal warm gelaufen haben, dann gibt es kein Zurück mehr. Interessant ist dabei, wie sich die negative Haltung des DFB zum Fußballosten in der öffentlichen Meinung widerspiegelt. Der Tenor in der aktuellen Diskussion zum Thema, grob zusammengefasst und nur leicht überspitzt: Nicht nur das Dynamostadion plattmachen, sondern den ganzen Osten gleich mit!

Unterstützt durch die einseitige Berichterstattung in den Medien wird hier gerade ein Bild gemalt, dass selbst hinsichtlich der schon immer recht holprigen Ost-West-Beziehung neu und furchteinflößend ist, und in seiner Comic-Haftigkeit an Kaugummibilder aus den Dreißigern erinnert: Der Grieche frisst Schafskäse, trinkt Ouzo und tanzt den ganzen Tag Sirtaki, der Neger hat schwulstige Lippen, einen Goldring im Ohr und eine Zigarre im Mund, und der Ostdeutsche hat wahlweise Glatze oder Seitenscheitel und zündet mit Vorliebe Fußballstadien an …

Leute, das ist Wahnsinn! Theo bläst zur Hexenjagd, und alle machen mit! Und das ärgert mich nicht nur, weil ich Dynamo-Fan bin, sondern weil ich auf Ungerechtigkeit genauso allergisch reagiere wie auf Rassismus. Und das hier ist die grandioseste, zum Himmel schreiendste Ungerechtigkeit, die ich je erlebt habe, und sie findet vor aller Augen statt. Das Volk will Blut sehen – bitte sehr! Das klassische Bauernopfer, so alt wie die Menschheit selbst. Hier geht es nicht um Fußball oder Randale, hier geht’s um Politik. Und hier geht’s auch nicht um Dynamo, nein, hier geht’s um einen alten Herrn, der sich wichtig machen will als Rächer der „Guten“, als Held, der einen ach so bösen Bösewicht zurück in den dunklen Wald gejagt hat. Eine tolle PR-Aktion, während das Königreich weiter an den selben Problemen krankt wie vorher …

Und weil wir gerade bei Märchen sind: Des Kaisers neue Kleider wurden damals letztlich enttarnt, von einem naiven Kind zuerst, aber dann brach der Bann, und es wurde ziemlich viel gelacht. Und heute? Stehen wir wieder da und glotzen auf die Bühne. Aber statt den Kaiser auszulachen und ihm metaphorisch eins auf seine eingebildete Mütze zu geben, klatschen wir und rufen: Hurra! Hurra! Hurra!

Traurig und frustriert
Einer aus Dresden

 

P.S.: In der Blogroll finden sich noch einige lesenswerte Artikel zum Thema …